Nicht nur ein ehemaliger deutscher Reichskanzler (10. Mai 1878 in Berlin bis 3. Oktober 1929 ebenda), sondern auch ein ausgesprochen eleganter Anzug. Sein Beiname "Bonner Anzug" zeigt bereits, in welcher Domäne er ursprünglich am weitesten verbreitet war: in der Politik. Als typischer Tagesanzug steht er an Förmlichkeit nur knapp unter dem Cutaway und ist ideal zum Beispiel für Bankette oder Staatsempfänge. In dieser Funktion trat er bei offiziellen Anlässen in der frühen Bundesrepublik an die Stelle des Cutaway.
Es heißt, Stresemann sei es leid gewesen, sich während der Regierungsgeschäfte dauernd umziehen zu müssen. Das Protokoll der Weimarer Republik schrieb für offizielle Anlässe nun mal den Cutaway vor, der aber ist wiederum zu feierlich fürs Büro. Als Ausweg griff Stresemann zur gehrockähnlichen Jacke und musste nun vor Staatsempfängen nur noch das Jackett wechseln.
Getragen wird der Stresemann folglich mit der charakteristischen grau gestreiften Hose und der silbergrauen Weste des Cutaway. Darüber kommt nun aber nicht der Cutaway mit seinen schrägen Jackettschößen, sondern ein schlichter schwarzer Gehrock mit Spitzkragen. Dazu gehört wie zum Cutaway ein weißes Hemd mit Umschlagkragen und Doppelmanschette. Die passenden Manschettenknöpfe und eine silbergraue Krawatte (kein Plastron) vervollständigen das förmliche Tagesoutfit.
Wahre Größe zeigt der Stresemann allerdings, wenn Sie ihn mit einem festlichen Jabot oder Plastron und dem passenden Einstecktuch kombinieren. Dann gibt er einen fantastischen Hochzeitsanzug ab.