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Leinen

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Dieser strapazierfähige Stoff wird aus Flachsfasern gewonnen. Bis zum unvergleichlichen Siegeszug der Baumwolle wurde Tisch- und Leibwäsche fast ausschließlich aus Leinen produziert. Es sei denn, man gehörte zu den beneidenswerten Zeitgenossen, die sich Gebrauchswäsche aus Seide leisten konnten. Heute fristet Leinen eher ein Nischendasein. Es neigt zum Knittern und ist daher größtenteils in der lässigen Freizeitgarderobe anzutreffen. Insbesondere Sakkos oder Hosen aus diesem Stoff wirken, als käme man gerade aus den Tropen - oder von der edlen Gartenparty.

Leider ist Leinen nicht nur relativ steif, sondern auch kratzig. Dennoch hatte es bei Taschentüchern und ähnlichen Accessoires lange Zeit eine unangefochtene Spitzenposition. Seit das Tuch in der Brusttasche aber als Gebrauchsgegenstand durch das hygienische Papiertaschentuch abgelöst wurde und seitdem rein dekorative Funktion hat, hat die Vebreitung von Leinen-Einstecktüchern stetig abgenommen. Denn ein Leinentuch ist groß, steif und bläht die Brusttasche auf. Zudem wirkt Seide deutlich eleganter.

Und doch: in schlichter Rechtecksfaltung zur konservativen britischen Regimentskrawatte hat das gute alte Leinentaschentuch griffbereit in der Brusttasche immer noch seine Berechtigung. Denn ein wahrer Gentleman alter englischer Schule würde natürlich nie einen Zierat mit sich herumtragen, der nicht zugleich auch nützlich wäre. Alles andere wäre nicht mehr das wahre Understatement.

Veröffentlicht in: Mode-Lexikon L