Wir leben im Zeitalter des Gürtels. Unsere Hosen werden mit edlen Lederbändern zusammengehalten, Designernamen schmücken prunkvolle Schnallen. Da könnte man fast vergessen, das bis vor gar nicht so langer Zeit der Gürtel eher eine Ausnahmeerscheinung war. Im ersten Weltkrieg Bestandteil von Soldatenuniformen, setzte er sich in den darauf folgenden Jahren auch in der Zivilkleidung durch. Davor war er eigentlich nur ein Ausrüstungsgegenstand ohne jeden modischen Wert, an dem man zum Beispiel einen Degen befestigen konnte.
Wahre Anhänger klassischer Herrenmode hingegen wissen: soll die Hose wirklich gut sitzen, so greift man statt des Gürtels zum Hosenträger. Denn gerade weil der Bauch bei den meisten Männern die Problemzone Nummer 1 ist, hängt eine mit Hosenträgern aufgehängte Hose viel eleganter, wenn sie kein Gürtel zusammenstaucht. Natürlich sollten es nicht gerade die neongrünen Kunststoffexemplare mit witzigen Slogans sein. Dezente Hosenträger sind meist schwarz oder zumindest dunkel. Sie werden auch nicht angeklemmt, sondern an die Hose angeknöpft. Leider finden Sie Hosen mit Knöpfen für Hosenträger fast nur noch bei Maßschneidern.
Und doch: der Hosenträger ist zurück. Hierzulande findet er, offen getragen, vor allem als Bestandteil von Retro-Garderobe Verwendung. Schiebermütze, offenes Hemd und dazu am besten originale Hosenträger aus den goldenen 20'er Jahren - damit werden Sie garantiert zur Stilikone. Und auch zum Anzug lohnen sich die sinnreichen Vorrichtungen. Denn es ist schwer einzusehen, weshalb man sich die Mühe machen sollte, stundenlang verschienene Einstecktücher auszuprobieren, den Anzug in Form zu bringen, die perfekte Krawatte zu finden, nur um die schöne Optik dann durch eine Hose wieder zunichte zu machen, die in der Gürtelzone knautscht.