Es geht immer noch eleganter
Neulich in einem Internetforum: die Frage eines Gastes nach einer angemessenen Krawatte beantwortete jemand mit der Aussage, die Krawatte sei ja wohl nur noch peinlich, und es gäbe heutzutage keinen einzigen Anlass mehr, zu dem man mit Jeans und offenen Hemd nicht ausreichend gekleidet wäre. Ohne diesem – bezeichnenderweise anonym schreibenden – Zeitgenossen seine Meinung verübeln zu wollen: ausreichend, das wäre in guten alten Schulnoten gerade einmal eine Vier. Ob das nun der erstrebenswerte Zustand ist?
Nun, es gibt Menschen, die wirken mit Jeans und Businesshemd ausgesprochen elegant. Dann nämlich, wenn sie dabei ausstrahlen, dass bei ihrer Lockerheit und ihrem allgemeinen Auftreten dieses Outfit das Höchste ist, in dem sie sich noch nicht verkleidet vorkommen. Wer sich dann nämlich trotzdem in einen dunklen Anzug zwängt, wird eher lächerlich wirken. Dies ist aber eher die Ausnahme. Die meisten von uns werden nicht umhinkommen, sich früher oder später einen Anzug zuzulegen. Wer nur einen davon hat, ist zumeist mit dunkelblau oder anthrazit gut beraten.
Eleganter, aber weniger einsatzfähig ist ein schwarzer Anzug. Am besten dreiteilig. Kombiniert man diesen jetzt mit einem schlichten weißen Einstecktuch und einer silbergrauen Krawatte, so ist die Wirkung an klassischer Eleganz kaum noch zu überbieten.
Aber manchmal ist das nicht genug. Es gibt sie noch, die Anlässe, bei denen es noch etwas förmlicher zugeht. Es muss ja nicht gleich immer der Wiener Opernball sein. Nun gut, auf der Opernpremiere oder dem kleinen Ballabend kann man im Anzug auflaufen. Eleganter aber ist der Smoking. Er ist klassischerweise schwarz. Dazu ein weißes Hemd mit Doppelmanschette, Umlegekragen (eben NICHT Kläppchenkragen, wie in letzter Zeit so oft gesehen) und verdeckter Knopfleiste, idealerweise auch mit gefältelter Brust (kommt Ihnen affig vor? Dann vergleichen Sie mal! Keine Ahnung, warum, aber es macht einen Unterschied.). Die Fliege in schwarz, ebenso den Kummerbund. Nicht weinrot. Nicht bunt gemustert. Sondern einfach nur schwarz. Dazu ein Einstecktuch in weiß. Das ist das Outfit, das optisch aus jedem Durchschnittsbürger einen Frank Sinatra oder James Bond macht.
Der Frack verschiebt die Stil-Koordinaten noch einmal nach oben. Noch strenger als beim Smoking gilt hier: Alles, was nicht schwarz oder weiß ist, ist problematisch. Natürlich hat dieses edle Kleidungsstück Fallstricke genug. Aber der Aufwand lohnt sich. Die ungeheure Wirkung eines gut sitzenden Fracks ist nicht zu schlagen.
Leider halten sich die Gelegenheiten, das gute Stück zu tragen, sehr in Grenzen. Solange Sie nicht gerade Orchesterdirigent sind, sollten Sie sich also gut überlegen, ob Sie die betreffende Komplettausstattung (Frack, Frackweste, Frackhose, Frackfliege, Einstecktuch, Frackhemd, Frackwestenknöpfe, Frackhemdenknöpfe, Taschenuhr, Hosenträger (ein Frack wird nie mit Gürtel getragen), optional auch noch weißer Seidenschal und schwarzer Zylinder) wirklich brauchen. Im Normalfall ist Leihen die günstigere Variante. Versuchen Sie nur nicht, Geld zu sparen und den Frack mit Smoking-Zubehör zu kombinieren. Die Smokinghose zum Frack mag nur Eingeweihten auffallen (sie hat einen, die Frackhose zwei Seidengalone an der Naht), spätestens beim Hemd aber wird der Bluff überdeutlich.
Gemeinsam haben Frack und Smoking allerdings, dass man sie erst am Abend herausholen sollte. Nun gut, für die extrem förmlichen Tagesanlässe gibt es immer noch den Cutaway. Den allerdings braucht man, solange man nicht gerade Botschafter oder regierender Monarch ist, nun wirklich eher selten.